Ligurien - Piemont - Aostatal - Wallis
(Oktober 2005)

Auch diesen Herbst wollten wir wieder eine Woche Ferien verbringen. Da wir dieses Jahr schon 3 Wochen mit unserem Saurer unterwegs waren, haben wir uns zuerst nach Tauchurlaub im Roten Meer erkundigt. Nachdem die Suche nach einem verlockenden Angebot erfolglos blieb, haben wir auch einfach eine Woche Bade- und Strandurlaub im Mittelmeerraum oder auf den Kanarischen Inseln in Betracht gezogen. Dadurch dass wir nur eine Woche von Samstag bis Sonntag gemeinsam "freischaufeln" konnten, fanden wir auch mit diesen erweiterten Kriterien kein vernünftiges Angebot.

Relativ kurzfristig haben wir uns deshalb nochmals für eine Woche Urlaub mit dem Wohnbus entschieden. Ein Vorführtermin beim Strassenverkehrsamt Mitte September war sowieso vorgesehen, da die letzte MFK mehr als 2 Jahre zurücklag eine Grundvoraussetzung für das Wiedereinlösen. Die Bereitstellung durch die Werkstatt erforderte meines Erachtens nur eine kleine Schweiss-Arbeit am Auspuff und den Abgastest. Der Experte war dann allerdings anderer Ansicht, vielleicht lag es ein bisschen daran, dass ich mit losen Radmuttern gefahren bin, dass er ein Bisschen Spiel im Lenkgestänge auch nicht mehr tolerierte.

Dies führte jedenfalls dazu, dass die Werkstatt auf Ersatzteilsuche für die Gelenke an den Lenkstangen gehen musste. Bei Walti Stutz in Zufikon wurde man fündig, aber die Kommunikation zwischen der Werkstatt und Walti Stutz war etwas schwierig, so dass ich dann am Montag vor der geplanten Abfahrt die ausgebauten Stangen persönlich nach Zufikon überführt habe. Nach unzähligen telefonischen Nachfragen und 2 Tagen Warten sah ich unseren Urlaub in Weite Ferne rücken. Doch am Mittwoch Abend die Erlösung, ich konnte die Stangen wieder abholen und habe diese spät nachts wieder der Werkstatt zum Einbau überbracht.

Am Donnerstag Morgen wurden die Stangen wieder eingebaut und der Bus erfolgreich zur Nachkontrolle gebracht. Die Werkstatt überführte den Bus anschliessend wieder nach Reichenburg in meine Garage. Mit dem abgestempelten Fahrzeugausweis konnte ich also am Freitag das Nummernschild abholen, ein Stein fiel mir vom Herzen.

Am Samstag haben wir dann in aller Ruhe unsere Sachen gepackt (bei der letzten Reise haben wir die Lehren ziehen müssen, dass Stress vor der Abfahrt nichts bringt...), sind dann gegen 13:00 in Reichenburg angekommen, wollten nur noch einladen, Wassertank füllen und ab auf die Piste...

Doch oh je, nach nur 3 Metern Fahrt merke ich, da stimmt was nicht: Der Bus lässt sich kaum lenken... Bei Vollanschlag des Lenkrads sind die Vorderräder nur etwa einen Drittel eingeschlagen. Ungläubig bin ich natürlich sofort unter den Bus gelegen, ein erster Blick lässt das Problem nicht sofort erkennen. Erst der hinzugerufene Vermieter Fredi Zimmermann erkennt, dass die Lenkstangen am Umlenkhebel falsch montiert sind, die von vorne unten, die nach hinten oben, statt umgekehrt. So funktioniert die Hebelwirkung der Umlenkung genau falsch herum. Unmöglich so an eine Fahrt zu denken.

Der Pikettdienst der Werkstatt wurde aufgeboten, der Bus musste nochmals in Behandlung. Wir haben die Wartezeit auf den Monteur genutzt, um alles einzuladen und den Wassertank zu füllen. Anschliessend habe ich mit aller Vorsicht versucht, das Fahrzeug wieder in die Werkstatt zu fahren, was dann auch einigermassen gelang. Wie der Bus so vorgeführt werden konnte und durch die Werkstatt überführt werden konnte ist mir ein absolutes Rätsel. Beim Einbiegen musste der Kurvenradius so gewählt werden, dass die Gegenfahrbahn komplett benutzt wurde, ein Kreisel ging nur ganz knapp ohne Rangieren.

Der Pikett-Monteur war zum Glück sehr effizient, so dass wir mit einer Verspätung von nur ca. 3 Stunden auf Achse konnten. Während des Werkstatt-Aufenthalts habe ich zum Glück noch 2 platte Hinterreifen entdeckt (jeweils inneres Zwillingsrad), welche nach Austausch des Verlängerungs-Stücks des Ventils auch wieder aufgepumpt werden konnten.

Unsere Reiseroute, insgesamt 1463 Km (908744-910207):

Die Etappen: (Hinweis: Die ganzen Bildergalerien erreichen Sie durch einen Klick auf den Hyperlink-markierten Etappenort)

1. Oktober 2005: Reichenburg - Ascona 202Km

Um 17:00 Uhr ging's dann doch Richtung Süden. Regen & kalt. Aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse durch den Gotthard-Tunnel, welcher höhenmässig einiges tiefer liegt als der San Bernardino. (Wir wollten vermeiden, in Schnee zu geraten). Im Tessin noch trockenes Wetter. Übernachtung auf dem Car-Parkplatz (kostenlos) von Ascona, neben der Einfahrt zur grossen Tiefgarage. Pizza-Essen im Rest. Elvetia. Die "Crema di Porcini", Steinpilzsuppe war aus der Büchse (oder Beutel), die Pizza aber war gut. (CHF 96.- inkl. Boccalino di Merlot). Die einmalige Übernachtung auf dem Car-Parkplatz war problemlos, ich denke aber im Sommer und für länger wäre das nicht möglich gewesen.

2. Oktober 2005: Ascona - Finale Ligure (Ligurisches Meer) 309 Km

Regen, Regen, Regen... Sonne!
Abfahrt in Ascona bei strömendem Regen. Dem Lago Maggiore entlang bis nach Verbania. Die Strasse ist wirklich sehr eng, die entgegenkommenden Wohnmobile und Wohnwagen auch sehr breit, 2-mal musste ich den Spiegel einklappen. Ab Intra/Stresa sind wir deshalb auf die Autobahn. Bei der Mautstelle kommt kein Ticket raus, die Barriere ist offen. Wir interpretieren dass als freie Fahrt bis zur nächsten Zahlstelle... Auf der Autobahn regnet es so stark, dass das Wasser bei den Gummidichtungen der Frontscheibe reingedrückt wird, auch im Bad und WC Wassereinbruch vom Dach her! Wir beschliessen, soweit nach Süden zu fahren, bis die Sonne scheint. Kurz vor Genua war es dann soweit. Wir haben die Autobahn verlassen und sind entlang der Küstenstrasse

(Via Aurelia SS1) bis nach Finale Ligure gefahren. Dort wurde uns in unserem Führer aus der WoMo Reihe, Band Nr. 52 ein Stellplatz beschrieben.

Die Einfahrt ist zwar nicht sehr gut zu finden und etwas eng. Der Parkplatzwärter hatte aber einen Platz für uns, wobei dies der einzige geeignete Stellplatz auf diesem Areal war. Die orangen Gummi-Pylonen sind nämlich fest in den Boden verschraubt und nicht flexibel. Übernachtungskosten 15 € / 24h, inkl. Wasser und Abwasser. Die Dusche ist wohl eher etwas für Exhibitionisten...

3. Oktober 2005: Finale Ligure - San Remo 75 Km

Regen beim Aufstehen. Nach einem gemütlichen Frühstück  und anschliessendem Frischwasser bunkern unternehmen wir einen Spaziergang ins Städtchen. Parmaschinken und Käse gekauft, von dem wir den Rest der Woche zehren werden. Die Touristen-Saison ist eindeutig vorbei, der Strand menschenleer, die Restaurants, Bars, Unterhaltungslokale etc. geschlossen. Etwas trist, bei schönem Wetter entstünde sicher ein ganz anderer Eindruck. Also zurück zum Bus und Weiterfahrt entlang der ligurischen Küste auf der Strada Stadale 1, der ehemaligen römischen Via Aurelia. Am westlichen Horizont immer der Eindruck, es sei dort etwas heller... In Alassio haben wir keine Parkmöglichkeit und sind deshalb durchgefahren. Einen Womo-Stellplatz in Diano Marina haben wir uns aufgrund der überschwenglichen Beschreibung in den Führern auch etwas anders vorgestellt und sind auch sofort weiter, froh dass die Brücke  dorthin unser Gewicht ausgehalten hat. Weiterfahrt bis San Remo, dort trocken und warm. Der Womo-Stellplatz liegt weit ausserhalb, weshalb wir unseren Bus ganz frech auf den Car-Parkplatz lotsen.

Die Eisenbahnunterführung ist höllisch steil und ich mache jede Wette, dass dort schon viele Reisebusse "aufgesessen" sind; mit unserem gebirgserprobten Saurer natürlich kein Problem. Der Car-Parkplatz liegt direkt am Sandstrand neben dem alten Bahnhof, was mit der Eisenbahn passiert ist, haben wir nicht herausgefunden, Geleise sind jedenfalls keine mehr vorhanden. Bei schönem Wetter haben wir einen Bummel durch die äusserst interessante Altstadt gemacht. Diese ist derart verwinkelt, mit vielen Treppen, Kreuzungen, schmalen Gässchen, Tunnels, dass man sich darin ganz sicher verirren könnte.

Die Suche nach einem für uns geeigneten Restaurant erwies sich als nicht ganz einfach, sind doch viele Lokale etwas gar auf Schnellimbiss aufgemacht (Monobloc...) Da es wieder angefangen hat zu regnen, nehmen wir einen Apéro in der Nähe des Hafens. Am Yachthafen haben wir ein sehr gutes Fischrestaurant entdeckt und dort Teigwaren und eine Fisch-Grill-Platte (mit einem ganzen Lobster)

gegessen, die¨äusserst zu empfehlen waren (85.50 € inkl. Grappa und Wein). Zum Bus zurück konnten wir wieder im Trockenen marschieren.

4. Oktober 2005: Sanremo -  Col de Tende - Cuneo 112 km

Total zugeparkt mit Reisebussen, unter anderem auch Castell Reisedienst und Marti Kallnach. Keiner scheint sich an unserem Wohnbus zu stören. Die Sonne scheint, aber es ist windig. Kurzer Spaziergang zur russischen Basilika, danach Weiterfahrt entlang der Trolleybus-Drähte nach Ventimiglia, Diese Trolleybus-Linie entlang des Meers scheint mir eine der längsten Linien der Welt zu sein, und ausserhalb der Städte auch eine der schönsten.. Ab Ventimiglia entlang der SS20 durchs Roya Tal Richtung Colle di Tenda. Die Strasse wird immer enger und kurviger. Ein kurzes Stück führt durch Frankreich. Unser Mittagessen nehmen wir in einem urchigen Landbeizli in Tende,

welches aber sehr gut besetzt war, ein, Isabelle eine Terrine, ich eine mit Käse gefüllte Tomate, anschliessend 2 Forellen Müllerin Art und natürlich Käse, für 30 €. In Frankreich nutzen wir auch den etwas günstigeren Diesel-Preis €1.16 um unseren Bus nochmals aufzufüllen. Weiterfahrt auf den Col de Tende. Der Pass ist nur für Fahrzeuge bis 3,5t geöffnet, der Tunnel für breite Fahrzeuge auch nur im Einbahnverkehr, geregelt über ein Lichtsignal, welches alle 15 Minuten die Fahrt freigibt.

Kreuzungsmanöver im Tunnel sind tatsächlich heikel, da ein Auto und ein Bus nur ganz knapp aneinander vorbeikommen. Es hat aber nur sehr wenig Verkehr. Die italienische Seite des Colle di Tenda macht viel weniger Spass, ist besser ausgebaut, flacher und mehr industrialisiert. An einem Parkplatz kaufen wir 2 Steinpilze von einem fliegenden Händler, mit welchen Isabelle abends ein superfeines Risotto produziert. Den dazu nötigen Kochwein erwerben wir noch bei einem Bummel durch die Altstadt von Cuneo, nachdem mir wieder Wasser gebunkert haben

und den Bus auf einem grossen Parkplatz beim Friedhof parkiert haben. Sehr interessant die Beleuchtung der Urnengräber, sieht im Dunkeln aus wie die Skyline einer Grossstadt

5. Oktober 2005: Cuneo - Santuario di Vicoforte - La Morra 119 km

Der Platz beim Friedhof erwies sich als nachts ruhig, am Morgen herrschte jedoch reger LKW-Verkehr, da weiter hinten die Kehrichtdeponie oder so was ähnlich gelegen war. Weiterfahrt via Mondovi nach Santuario di Vicoforte. Imposante barocke Kirche mit riesiger Kuppel, bekannt durch die illusionistische Malerei, welche den Raum noch grösser wirken lässt.

Leider nur Blick durch Gitterstäbe. Weiterfahrt Richtung Langhe, mehrmals nicht die geplante Route, da LKW- und Bus-Verbot. Weder das eine noch das andere hätte uns abgeschreckt, aber beides gleichzeitig ist dann doch ein Grund, eine andere Route zu wählen. Also Umweg über Ceva, dann sehr schmale Strasse bis Serravalle. Eine der Kurven war so eng, dass ich zweimal ansetzen musste. Mittagshalt entlang der Strasse, mit Ausblick über die regenverhangenen Hügel der Langhe.

(Zu Essen gab es Reste Spaghetti und Tortelloni al Brodo). Weiterfahrt über Monforte nach Barolo, kurze Besichtigung des Stellplatzes, welcher durchaus für eine Übernachtung geignet wäre, Weiterfahrt Richtung Alba, unterwegs in einer Cooperative Weindegustation und Kauf (Nebbiolo, Barolo und Barbera). Besuch des Weinguts Fontanfredda, welches aber sehr ungastlich war. Wein zum Degustieren gibt es nicht, man kann aber glasweise trinken gegen Bezahlung und dann kaufen (1 oder 2 Euro), die angebotene Flasche sei aber schon seit drei Tagen offen und sie könne nicht garantieren, dass der wirklich noch gut sei...
Übernachtung in La Morra.

Nachtessen im Restaurant Belvedere, zusammen mit einer japanischen Reisegruppe und 10 andern Schweizer Pärchen. Das Essen war ausgezeichnet, ich habe Tagliatelle mit Trüffel für 35 Euro als Primo gehabt, die waren wirklich sensationell. Die Aussicht wäre bei schönem Wetter auch die Reise wert gewesen.

6. Oktober 2005: La Morra - Alba - Torino 80 Km

Leider am Morgen immer noch bedeckt. Isabelle holt frische Brötchen. Frühstück. Fahrt nach Alba. Auf grossem Parkplatz fast keinen Platz gefunden, da Carparkplätze durch einzelne PW kreuz und quer belegt.

Bummel über den Markt und durch die Altstadt. Torrone gekauft 5€/200g. Wir haben irgendwie mehr erwartet, fanden Alba nicht wahnsinnig interessant. (Achtung: Extreme Ausfahrt des Parkplatzes, Gefahr vorne, hinten oder in der Mitte aufzusitzen). Weiterfahrt über Staats- und Provinzstrassen (SP29) nach Torino. Eher eintönig, unterwegs sogar eine neue Strasse gefahren, die im Navigationssystem noch nicht eingetragen ist (trotz Update). In den Vorstädten Tûrins viel Verkehr. Ein Stellplatz ist nicht wirklich vorhanden, aber ein Bus-Parkplatz beim Cimitero del Sasso.

Wasser konnten wir nicht bunkern, da die Zapfstelle einen 3/4 Zoll Anschluss hat (Üblich ist 1/2 Zoll), aber wenigstens unser Abwasser sind wir losgeworden. Sogar die Sonne zeigt sich kurz, so dass wir überlegen, ob wir die Fahrräder satteln sollen. Wir haben uns dann aber doch für Strassenbahn (Nr. 15) rsp. Bus (Nr. 61 oder 68) entschieden. Die Tickets (4 Stück à -.90 €) kaufen wir im "Sala e Tabacchi", also dem Raucherwaren-Laden. Die Verkehrsbetriebe sind nicht in der Lage, Billetautomaten in den Trams oder an den Haltestellen aufzustellen. Wir fragen uns, wieso eine Stadt mit solcher Infrastruktur die Olympiade 2006 bekommen hat.
In der Innenstadt angekommen, besichtigen wir als Erstes die "Mole Antoniella",

das Wahrzeichen Turins, ein imposanter Kuppelbau mit hohem Turm. Der gläserne Lift auf die Aussichtsplattform kostet € 3.62/Person und fährt viel zu schnell durch die wirklich eindrückliche Kuppel. Das angegliederte Film- und Kinomuseum lassen wir aus. Auch der Rest der Stadt erschliesst sich uns nicht wirklich. Es hat unter den kilometerlangen Arkaden viele Shops, aber einer gleicht dem anderen, und ausser Parfüm, Mobiltelefonen und Jeans bekommt man eigentlich nichts. Ein richtiges Warenhaus wie Jelmoli oder Globus haben wir nicht entdeckt. Auch keine gediegenen Restaurants, weshalb wir fast verleitet waren, in einem Discount Lebensmittel zu kaufen und dann im Bus selber zu kochen.  Doch zum Glück haben wir dann südlich des Bahnhofs noch ein Quartier gefunden, indem wir dann in einem Pub den Apéro genommen haben, um dann anschliessend im Ristorante "Urbino" ein Super-Nachtessen einzunehmen. Ursprünglich haben wir nur eine Pizzeria gesucht, das Urbino haben wir beim Vorbeilaufen ausgelassen, da wir dachten, dort sei eine geschlossene Gesellschaft: Auf jedem Tisch standen bereits etwa ein Dutzend Teller mit verschiedenen Antipasti. Die Pizzeria etwas weiter erwies sich als arabischer Schnellimbiss, weshalb ich dann Isabelle doch überreden konnte, einen Versuch im "Urbino" zu wagen.

Und ich kann sagen, wir haben es nicht bereut. Wir hatten eine sehr vife, charmante Bedienung, die uns dann überzeugt hat, das komplette Programm zu buchen. Also Antipasti à Discretion, Primo (Pasta e Risotte) und Seconde (Piatta Misca di Pesche). Ich habe dann mal ganu schüchtern gefragt, wieviel das kosten würde, und bekam zur Antwort 35 Euro. Das erschien uns vernünftig und wir haben zugesagt. Wir haben uns also durch die bereits auf dem Tisch stehenden Antipasti durchgefressen (Vitello tonnato, Crudo di Parma, Mozarella, Pulpo, Melanzane, Salame, etc. etc. etc.), bis wir fast schon satt waren.
   
Von der bereits geöffneten Flasche Wein, einem Nebbiolo d'Alba, haben wir uns ebenfalls eingeschenkt. Nachdem wir uns halbwegs sattgegessen haben, fragte uns unsere charmante Serviertochter, was sie uns denn nun als Primo serviereren dürfte. Wir haben uns für den gemischten Teller mit Dreierlei Pasta und Risotto entschieden, den wir glaubten, in unserem bereits ansehnlich gefüllten Magen noch platzieren zu können. Dies ist uns auch aufgrund der vorzüglichen Küche dann wirklich gelungen, sogar die gemischte Fisch-Grill-Platte (Fisch, Langustine, Crevetten, Tintenfisch) als Secondo haben wir noch einigermassen geschafft. Diese verarbeitete Menge schreit nach einem Grappa, den wir dann auch in grosszügiger Menge bekommen haben. Die Flasche wurde auf dem Tisch stehen gelassen, quasi à Discretion. Nach einer offerierten Granita di Limone, einem flüssigen Zitronensorbet haben wir dann auch den Vino Santo mit den obligaten Haselnuss-Bisquits genossen. Ein Dolce oder Käse hätte aber wirklich keinen Platz mehr gehabt. Nach dieser Völlerei waren wir gespannt, wie sich die Rechnung präsentieren würde, haben wir doch neben dem abgemachten einiges mehr konsumiert. Aber man staune, die abgemachten 35 Euro wurden eingehalten, sogar Wein, Dessertwein, Grappa und Espresso waren enthalten. Einzig das Trinkgeld, und das hat unsere umsichtige Bedienung explizit erwähnt, sei nicht enthalten. Wir waren hochgradig zufrieden, können dieses Restaurant jedem Turin-Besucher wärmstens empfehlen, und haben gerne ein grosszügiges Trinkgeld hinterlassen.

7. Oktober 2005: Torino - Aosta 126 Km

Wir verlassen Turin am Vormittag und fahren über Ivrea ins Aosta-Tal. Auf der Hauptstrasse schlängeln wir uns durch alle Dörfer, sehen hie und da Überbleibsel aus der Römerzeit und treffen am Nachmittag auf dem Stellplatz in Aosta ein. Es handelt sich um einen grossen Parkplatz mit ca 15 Plätzen für Wohnmobile und etwas abgesetzt auch Platz für 5 Reisebusse.

Wie in sehr vielen italienischen Orten auch hier kostenlose Frischwasser-Ver- und Abwasser-Entsorgung. Nach einem späten Mittagessen und dem Tausch der Versorgungsbatterie für den Wohnteil (wir hatten unterwegs nie Strom zum Laden, und ich habe erst hier bemerkt, dass der Flachbildschirm und der Satteliten-Receiver mit 1.5A auch im Ruhezustand ganz ordentlich saugen), machen wir uns auf den Weg ins Dorf für einen Erkundungsrundgang. Wir besorgen uns im Tourist Office den Denkmalführer von Aosta und klappern die Kathedrale, das römische Theater (d.h. was davon übrig ist), den Triumphbogen ab.
       
Zurück zum Apéro im Bus. Später wieder los auf der Suche nach einer Pizzeria. Essen in der Taverna da Nando (Antipasti, Minestrone, Salat, Pizza, Dessert, Wein aus dem Aosta-Tal, Kafi und Grappa für 60€)

8. Oktober 2005: Aosta - Montblanc (Courmajeur) - Grand St. Bernhard - Brig

Nach dem Frühstück entlang der Strada Provinciale Nr. 26 nach Courmajeur - La Palud. Mit der Seilbahn (32€) auf den Punta Hellbronner, fantastische Sicht auf den Montblanc und das Matterhorn (Cervinio).
       
Noch vor der Mittagspause wieder "Abstieg". Kurzer Entsorgungshalt mit Mittagessen (Reste der Pizza), dann auf der Autobahn (€4.90) zurück nach Aosta. Abzweig Richtung Gr. St. Bernhard. Zieht sich weit ins Tal hinein, zum Teil sehr eng, aber problemlos. Wir lassen uns von einer Verbotstafel für 3,5t nicht abschrecken und biegen ab auf die alte Passstrasse (statt dem Tunnel), später noch eine Gewichtstafel 18t,

das tönt schon besser. Viele Kurven, Pass sehr hoch 2470m. Zuoberst Zollstation, vorher noch einen Barry gekauft (6€).

Der italienische Zöllner will unsere ID's sehen und fragt uns, ob wir vorgestern in La Morra gewesen seien. Er habe uns gesehen, und in Cuneo. Ich bin sehr verdutzt, weiss gar nicht was ich sagen soll, bin auch nicht ganz sicher ob wirklich er uns gesehen hat, oder ob wir von einem seiner Kollegen gesehen worden sind. Big Brother lässt grüssen. Beim Schweizer Zöllner ordnungsgemäss unsere 36 Flaschen Rotwein verzollt (CHF 37.40), wohlwissend dass der Zöllner hier oben unendlich viel Zeit gehabt hätte um unseren Bus zu durchsuchen. Lange, anfangs steile Abfahrt bis Martigny, etwas mühsam, da das Getriebe sich nicht im 1 sperren lässt. Aber in der dritten Retarderstufe und mit zusätzlicher Motorbremse geht es recht gut. Beim langen Bergabfahren stellt sich wieder das bereits bekannte Problem ein, dass der Motor ziemlich stark anfängt zu rauchen, eine bläulich weisse Rauchfahne. Ich weiss nicht, wo das her kommt, ob es die dünne Luft ist, oder die Tatsache dass der Motor bergab nicht belastet wird und deshalb zu stark abkühlt, keine Ahnung. Sobald man unten wieder etwas Last abverlangt, hört der Rauch auch wieder auf.

Im Wallis super schönes Wetter und tolle Sicht, wir fahren auf der Autobahn bis Sierre Ost,

dann durch den Pfynwald bis nach Brig. Unterwegs tanken wir wieder mal auf, wobei ich zwischendurch unter den Bus schaue, ob es unten wieder rausläuft.. der Zähler bleibt erst bei CHF 420.- stehen, ein Motorradfahrer, der an der anderen Säule tankt, schaut ganz mitleidig. In Brig finden wir einen Bus-Parkplatz in der Nähe der Altstadt.

Wir essen ein Fondue (CHF 98.- inkl. Wein) in der Walliser Weinstube und sind mehrfach enttäuscht: Einerseits waren wir jetzt eine Woche vom italienischen Rauchverbot in den Lokalen verwöhnt, kaum in der Schweiz müssen wir uns wieder vollqualmen lassen. Anderseits hatte die Serviertochter eher osteuropäischen Dialekt, statt dem charmanten Sina-Walliser-Titsch, und drittens konnte sich auch der Walliser Wein, ich habe in Anlehnung an unseren Piemont-Urlaub einen Nebbiolo ausgewählt, nicht mit  seinen italienischen Verwandten messen.

9. Oktober 2005: Brig - Nufenenpass - Reichenburg

An unserem letzten Reisetag fahren wir durchs Goms Richtung Osten, die Auswahl welchen Pass (Furka, Grimsel, oder Nufenen) entscheide ich, da ich den Nufenen noch nie gefahren bin wollen wir uns diesen mal anschauen. Die Zufahrt ab Ulrichen ist gut ausgebaut, aber relativ steil. Der Motor wird schön warm und kurz vor der Passhöhe müssen wir eine kurze Abkühlpause machen. Natürlich halten wir auch auf der Passhöhe nochmals,

um dann ins Bedretto-Tal nach Airolo abzusteigen. Da wir nun genug Pässe gemeistert haben, die Abkürzung durch den Tunnel, und via Axenstrasse und Sattel zurück in die Garage. Der Bus wird noch hochdruckgereinigt und für den Winterschlaf vorbereitet und schon sind unsere Ferien wieder vorbei.

Sven H. Tiemann & Isabelle Geisser